Axis & Allies - Anniversary Edition

von Christian Oliv, November 2010

Axis & Allies ist ein immer wiederkehrender Brettspielklassiker. Von der Ausgabe von Nova Games über die MB Gamemaster Serie und Axis & Allies Revised bis hin zu den verschiedensten Ablegern (Axis & Allies Pacific, Axis & Allies Europe, Axis & Allies D-Day, Axis & Allies - Battle of the Bulge, Axis & Allies Guadalcanal usw.) reicht die Produktpalette und seit dem November 2008, anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens von Avalon Hill Games, wird diese durch eine ganz besondere Edition abgerundet. Axis & Allies Anniversary nennt sich diese Jubiläumsausgabe. Nach der vorangegangenen "Revised-Ausgabe" besticht Anniversary optisch durch einen wesentlich schöner gestalteten und deutlich größeren Spielplan (ca 65x120 cm). Zudem bringt diese Ausgabe auch zwei neue Nationen ins Spiel (Italien und China), einen neuen Schiffstyp (Kreuzer) und neue Regeln, insbesondere die Seeschlachten und den Beginn des Spiels (1941 oder 1942) betreffend, mit. Insgesamt runden über 600 Teile aus dieser Anniversary-Ausgabe das ansprechende Gesamtbild ab.

Kommen wir zu einem - aus meiner Sicht - Nachteil dieser Anniversary Edition: Sie ist inzwischen schon nicht mehr bzw. nur noch zu astronomischen Preisen in den gängigen Auktionshäusern zu haben. Lag der reguläre Preis irgendwo zwischen 70 und 80 EUR bewegt er sich nun auf einschlägigen Versteigerungsportalen weit im dreistelligen Bereich! Schade, denn nicht nur optisch sondern auch regeltechnisch ist die Anniversary Edition an sich gut gelungen.

Im Großen und Ganzen hat sich ja auch gar nicht so viel geändert. Nach wie vor werden sog. IPCs in neue Einheiten investiert, welche bereitgelegt aber erst am Ende eines Spielerzuges eingesetzt werden dürfen. Noch immer werden zuerst die Einheitenbewegungen in Gefechte, unmittelbar danach die anstehenden Gefechte und darauf folgend Bewegungen, die nicht zu Gefechten führen durchgeführt. Anschließend die Neuaufstellung von zuvor produzierten Einheiten und schließlich die Einkommensphase durchgeführt. Auch die Trefferwahrscheinlichkeiten sind gleich geblieben, abgesehen von dem neuen Schiffstyp Kreuzer, der mehr als ein Zerstörer aber noch nicht ganz ein Schlachtschiff ist, und den Transportern, die sich nicht mehr verteidigen können (wie wir noch sehen werden).

Italien ist als eigenständige Achsenmacht dabei, verstärkt die Achse allerdings nicht in dem Maße wie man vermuten könnte, weil die Möglichkeiten von Deutschland dafür entsprechend etwas eingeschränkt sind. Italien kann und dürfte sich in vielen Fällen entweder um Afrika oder eine intensive Unterstützung des Deutschen in Richtung Russland bemühen. Allerdings findet sich hier schon ein weiterer Nachteil: durch die Limitierung der Figurenanzahl verfügt die Italienische Marine nur über 2 Kreuzermodelle, das ist - meiner Spielweise nach - definitiv zuwenig, zumal Rußland über 6 Modelle verfügt, diese aber im Normalfall niemals benötigen werden. Dies ist mehr als unverständlich.

China ist zwar mit eigenen Einheiten (Infanterie) vertreten, aber dennoch nicht vergleichbar mit den anderen alliierten Mächten. Die Züge Chinas werden gemeinsam mit denen der USA vorgenommen und müssen ganz eigenen Regeln folgen, welche die Möglichkeiten Chinas im Vergleich zu den anderen Alliierten sehr deutlich einschränken. So verfügt China nicht über eigene IPCs um Einheiten zu produzieren und kann auch nur eingeschränkt außerhalb des chinesischen Territoriums agieren. China dürfte in vielen Fällen in erste Linie dazu dienen, das Vorrücken Japans auf dem Kontinent zu verlangsamen.

Das klingt nun so an, als wären die Änderungen gar nicht so groß wie man zunächst möglicherweise vermuten würde. Aber weit gefehlt!! Die gewichtigsten Unterschiede im Spiel werden durch Neuerungen bewirkt, die anfangs gar nicht so richtig ins Auge fallen. Auf den ersten Blick vermutet man neue Möglichkeiten und ein anderes Spielgefühl in erster Linie durch die neuen Nationen - das stimmt aber nur z.T.. Viel heftiger wirkt sich - nach etlichen Testspielen eindeutig erwiesen - eine Regeländerung aus, die gar nicht so gewichtig "aussieht". Sie betrifft Transporter und damit einen Einheitentyp, der ja, mal abgesehen von der Möglichkeit mit ihnen amphibische Angriffe durchzuführen, gar nicht so "stark" ist.
Diese kleine Regeländerung besagt, dass Transporter, die an einem Seegefecht teilnehmen, im Falle von Treffern nicht mehr als Verlust gewählt werden und auch über keine Verteidgung mehr verfügen. Sie nehmen praktisch nicht mehr an einer Schlacht teil und gehen automatisch verloren, sobald die letzte kämpfende befreundete Marineeinheit verloren ging. Damit können Transporter auch nicht mehr als "Kanonenfutter" zum Schutz wertvoller Einheiten (lieber einen Transporter verlieren als einen Träger) dienen. Konnten sie also früher öfter mal dem Schutz anderer Einheiten dienen, so sind sie nun diejenigen, die Schutz brauchen

Desweiteren gibt es noch Änderungen, welche die Strategien auf See beeinflussen werden. U-Boote zwar besitzen noch immer ihren Überraschungsangriff, doch genauso wie Transporter können sie feindliche Schiffe nicht mehr am durchqueren von Seegebieten hindern, d.h. auch keine amphibischen Landungen verhindern, oder Seewege blockieren.

Zusätzlich zu den gemeinsamen Zielen der Achsenmächte auf der einen und den Alliierten auf der anderen Seite verfolgt jede Nation nun auch eigene Ziele, sog. "National Objectives", die bei Erfüllung einen Bonus bedeuten und den tatsächlichen historischen Gegebenheiten nachempfunden sind.
Strategische Bombardements haben nun keine unmittelbaren Auswirkungen mehr auf die IPC einer Nation. Eine Bombardierte Industriekomplex erhält entsprechend des zugefügten Schadens durch einen Bombenangriff Schadensmarker zugewiesen, maximal in Höhe des doppelten IPC-Wertes des angegriffenen Landes. Jeder Schadensmarker kann zu Beginn des Zuges der entsprechenden Nation für 1 IPC repariert werden, muss das aber nicht. Für jeden nicht entfernten Schadensmarker kann diese Fabrik eine Einheit weniger produzieren, es dürfen in diesem Land also entsprechend viele neue Einheit weniger als normalerweise erlaubt (IPC-Wert des Landes) aufgestellt werden.

Die Menge der Neuerungen, insbesondere die beiden möglichen Startaufstellungen für 1941 oder 1942, bringt in jedem Fall Abwechslung ins Spiel. Und gemäß dem Motto "Das Auge spielt bekanntlich mit" kann...nein...könnte ich jedem diese Jubiläumsausgabe nur ans Herz legen. Könnte, weil man sie leider nur noch sehr schwer (und höchstwahrscheinlich sehr teuer) bekommen kann. Die Frage was einem diese Jubiläumsausgabe wert ist, muss jeder für sich selber beantworten, den regulären Preis war sie mir auf jeden Fall wert!

für weitere Fragen bin ich unter christian.oliv@t-online.de erreichbar

Euer Christian


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